Auch wenn Hunde sich von fleischfressenden Wölfen entwickelt haben, können sie problemlos Kohlenhydrate (wie Kartoffeln, Reis, Getreide …) und pflanzliche Nahrung verdauen. Der Grund liegt in der Geschichte von Tausenden Generationen wilder, streunender Hunde, die sich von menschlichen Abfällen ernährten. Diese enthielten nur wenig Eiweiß, aber viele Kohlenhydrate. Hunde sind heute eindeutig Allesfresser, doch ihre Vorliebe für fleischbasierte Nahrung ist offensichtlich. Dieses Verlangen nach Fleisch muss aber nicht rein instinktiv sein, wie Linda P. Case in ihrem Blog The Science Dog erklärt. Es gibt dazu auch wissenschaftliche Belege.
Hunde können Kohlenhydrate verdauen, weil sie sich biologisch von ihren Vorfahren, den Wölfen, unterscheiden. Konkret haben sie mehr Kopien des Gens AMY2B, das für die pankreatische Amylase kodiert – ein Enzym, das Kohlenhydrate in einfachere Zuckermoleküle spaltet. Trotzdem bevorzugen Hunde nach wie vor Futter mit hohem Fleischanteil, selbst wenn es nur nach Fleisch riecht, gegenüber Trockenfutter mit viel Fleisch und Protein. Case hat mehrere Studien zu indischen Straßenhunden (von denen es viele gibt und die eine lange Geschichte haben) und deren natürlicher Futterauswahl untersucht. Diese Hunde ernährten sich hauptsächlich von Müll und ab und zu von selbst gejagten Kleintieren.
Die Forschung bestätigt im Wesentlichen die Annahme und Erfahrung, dass Hunde Futter bevorzugen, das nach Fleisch riecht, und dieses hochwertigeren Alternativen vorziehen, die tatsächlich mehr Protein und Fleisch enthalten. In einer der Studien, veröffentlicht im Fachjournal Ethology, Ecology and Evolution, wurden 30 streunenden Hunden folgende Auswahlmöglichkeiten angeboten:
Die ersten beiden Versuche liefen wie erwartet ab: Im ersten Versuch bevorzugten die Hunde das Brot mit Brühe, im zweiten das gekochte Hühnchen, gefolgt vom Brot in Fleischsaft. Die dritte Variante jedoch brachte eine Überraschung: Obwohl die Hunde Trockenfutter mit viel Fleischprotein zur Auswahl hatten, entschieden sie sich lieber für Brot, das in unterschiedlich konzentrierter Brühe getränkt war. Offenbar spielte der Geruch der Fleischbrühe eine wichtigere Rolle als der hohe Nährstoffgehalt der weniger „duftenden“, aber fleischreichen Kroketten.
Interessant ist, dass diese Fleisch-Präferenz (bzw. deren Geruch) bei Hunden vermutlich nicht angeboren, sondern erlernt ist. In einer weiteren Studie, veröffentlicht im Journal of Ethology, wurde das Entscheidungsverhalten von Welpen untersucht. Bei ihnen zeigte sich keine besondere Fleisch-Präferenz. Sie fraßen alle angebotenen Alternativen gleichermaßen. Das widerlegt, dass das Verlangen nach Fleisch bei Hunden angeboren ist. Wahrscheinlich erwerben die Welpen diese Vorliebe erst durch das Beobachten ihrer Mutter und anderer erwachsener Hunde sowie durch eigene Erfahrungen.
Für erwachsene Hunde gilt einfach die Regel: „Wenn es nach Fleisch riecht, iss es.“ Dabei ist es egal, ob es wirklich Fleisch ist oder überhaupt nahrhaft. Und wenn das Futter nicht intensiv riecht, wählt der Hund es nicht – auch wenn es viel Fleisch enthält. Das ist in der Natur nicht überraschend, denn ein starker Fleischgeruch deutet auf einen hohen Fleisch- und Proteingehalt hin. Der Hund vertraut also vor allem seinem Geruchssinn und kann nicht anders einschätzen, wie nahrhaft ein Futter wirklich ist. In Laborbedingungen, wo auch weniger duftende Kroketten viel Protein enthalten können, wird das deutlich.
Welpen dagegen erlernen diese Präferenz erst durch Beobachtung und eigene Erfahrung – sie haben keinen angeborenen Drang nach Fleisch. Was bedeutet das für uns? Dass wir durch die Fütterung in der Welpenzeit die späteren Futtervorlieben und Essgewohnheiten unseres Hundes stark beeinflussen können.
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